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Nähen im Miniformat

Mieter und ihre Hobbys: „Nähen für starke Herzen e. V.“. Unsere Mieterin Iris Timocin aus Kassel-Niederzwehren hat einen Verein  gegründet, der so ungewöhnlich ist wie sein Name. Mit Nähbegeisterten von Nah und Fern schneidert sie ehrenamtlich Spezialkleidung für Frühgeborene. Sieben Prozent aller Kinder sind Frühgeborene, das heißt, sie kommen vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Je leichter das Kind ist, desto weniger gut entwickelt ist es und desto länger muss es nach der Geburt im Brutkasten liegen. Nackt und hilflos. Manchmal nur so groß wie eine Handvoll Leben. Auch Iris Timocins Sohn wurde 4 Wochen zu früh geboren und musste  8 Tage zur Überwachung in der Klinik bleiben. „Er hatte vergleichsweise harmlose Beschwerden, aber diese Zeit hat mich sehr geprägt“, sagt die 30-jährige Kasselanerin, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Kassel-Niederzwehren lebt. Heute ist ihr Sohn über 3 Jahre alt und ein fröhliches Kindergartenkind. Ohne ihn würde es „Nähen für starke Herzen e. V.“  nicht geben. In ihrer Elternzeit 2015 entdeckte Iris Timocin, wie erfüllend das Nähen von Kinderkleidung ist. Über Facebook und ein Stoffgeschäft waren Gleichgesinnte rasch gefunden: meist Frauen, die selbst ein Frühchen gehabt hatten und schon schneidern können. Das stärkt und man wächst zusammen. „Mittlerweile ist aus der kleinen Sache ein Riesending geworden“, erzählt unsere Mieterin gerührt. 1 Mitglieder hat der Verein und insgesamt circa 100 Näherinnen. Wenn  sie 4-mal im Jahr zusammenkommen, klappern die Scheren und schnurren die Maschinen. Jede bringt zwei eigene Nähmaschinen und etwas fürs Salatbuffet mit. Tische und Stühle stellt mittlerweile Iris Timocin in den Räumen ihres Familien-Entspannungszentrums, wo die gelernte Ergotherapeutin und Entspannungspädagogin Kurse anbietet. „Die meisten Näherinnen kommen aus Kassel und dem Umland, aber einige  nehmen sogar einen Weg von fast 150 Kilometern auf sich“, berichtet unsere Mieterin stolz. Jede legt die speziell für Frühchen konzipierten Schnittmuster auf den Stoff und los geht’s. 90 Minuten benötigt eine geübte Näherin für eine Wickeljacke. Insgesamt 75 Mini-Mützchen, Pumphosen und Oberteile entstehen in so einer „Session“ mit circa  15 Näherinnen. Alles ohne Knöpfe wegen des speziellen Waschverfahrens im Klinikum, dafür mit extraweichem Klettverschluss oder Bändern. Die Jersey- und Stretchstoffe sind meist Spenden aus Stoffgeschäften, aber auch mit Verkaufsaktionen auf Märkten wird Geld für den Verein gesammelt, der sich über neue Mitglieder freut. Mehr als 1.000 Teile konnte der Verein der Kinderstation im Klinikum Kassel bereits überreichen. Die Schwestern sind von der Qualität der langlebigen Teile mit ihren extra Klappen und Öffnungen begeistert. Für die Eltern der zu früh geschlüpften Babys ist die Spezialkleidung eine willkommene Unterstützung in der schweren Zeit auf der Station.