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Ein Leben für Lyrik

Mieterporträt: Dichterin Safiye Can aus Offenbach. „Ich schreibe täglich – und das, solange ich zurückdenken kann“: Unsere Mieterin Safiye Can hat ihre Berufung zum Beruf gemacht. Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Lyrikerin und Autorin begeistert mit farbenprächtiger Dichtkunst und aufrechter Haltung. „Ihre Gedichte sind zum Abtauchen, so berührend!“, schwärmt eine YouTuberin über Safiye Can und ihre präzise und emotionale Art zu schreiben. Schon lange ist Safiye Can, 37, im Literaturbetrieb unterwegs, veröffentlicht in Literaturzeitschriften, liest an Literaturtelefonen, hält Lesungen, gibt Schreibwerkstätten, spricht im Radio und auf Buchmessen – in der kleinen, aber feinen Kulturlandschaft ist sie bekannt und beliebt. Doch erst seit sie vor zwei Jahren ihren ersten Gedichtband „Rose und Nachtigall“ veröffentlichte, läuft es richtig gut. Die erste, zweite und dritte Auflage waren rasch vergriffen, so dass jetzt die vierte Auflage erscheint, was für das Genre „Lyrik“ bemerkenswert ist. Noch vor wenigen Jahren sah das ganz anders aus: „Ich erhielt so viele Absagen für meine Gedichte, ich hätte die ganze Wohnung damit tapezieren können“, sagt die temperamentvolle Künstlerin. TSCHERKESSISCH, TÜRKISCH UND DEUTSCH Safiye Can hat stets auf sich selbst gehört. In ihr Inneres. Und diese Stimme sprach in drei Sprachen. Als Tochter türkischer Gastarbeiter, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert aus dem Kaukasus in die Türkei zwangsumgesiedelt wurden, wurde sie tscherkessisch und türkisch erzogen. Erst in der Schule lernte sie Deutsch und startete im deutschen Bildungssystem durch. Die Studienabschlussnote 1 in Philosophie, Psychoanalyse und Jura spricht für sich: ein kluger, konsequent denkender Kopf, der sich für Amnesty International engagiert. Die in Offenbach aufgewachsene Dichterin mit tscherkessischen Wurzeln ist Expertin für Interkulturelles – und seit zehn Jahren zufriedene Mieterin der Nassauischen Heimstätte und aktives Mitglied der Vereinigung türkischsprachiger Schriftsteller Europas (ATYG) ist. Safiye Can war 15, als ihre Tante ihr ein Gedichtband von Ümit Yasar schenkte: „Das war der Anstoß für das, was ich in mir trage“, erinnert sie sich. Von diesem Tag an hat sie täglich mehrere Gedichte geschrieben, anfangs auf Türkisch, doch bald auf Deutsch, um von allen Freunden verstanden zu werden. „Das Dichten im Sinne vom Dichterischen ist nicht erlernbar“, erklärt sie, „sondern etwas, das einem innewohnt. Der Lyrikband von Ümit Yasar brachte mich auf die richtige Spur.“ Heute ist Safiye Can (gesprochen: Tschann) Teil der zeitgenössischen deutschsprachigen Lyrik. In diesem Jahr erhält sie den Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis sowie den Preis für aufrechte Literatur. Neben Aufrichtigkeit und Zivilcourage steht dabei natürlich auch das schriftstellerische Niveau im Mittelpunkt. In Offenbach liebt sie den Kulturtreff Hafen 2, sie geht gerne schwimmen und spazieren. Zum Partymachen bleibe wenig Zeit, denn „zum Schreiben muss man sich zurückziehen“.